Samstag, 17. August 2013

Klauen bauen

Bald ist das große Gangrel-Thing. Die Vorbereitungen laufen.

Gangrel. Thing.
Beides Fremdwörter?

Na gut: Gangrel sind in einem Spieluniversum von White Wolf, genauer Vampire: The Masquerade eine Art Vampire, die tierisch anmutende Merkmale entwickeln. Dazu gehören plüschige Ohren, Fellzeichnungen, Feder ... und natürlich auch Klauen. Diese sind zudem Waffen - ein Grund dafür, dass sie im Live-Spiel möglichst "safe" sind, also das Verletzungsrisiko minimiert wird.
Kurz gesagt: Damit sich keiner real verletzt, haut man sich mit Schaumstoff.

Thing ist ein Wort für Sippentreffen oder Gerichtsversammlung. Der Begriff ist mindestens seit 1000 nach Christi bekannt - ich kenne ihn aus dem Wikinger-Reenactement. Hier beschreibt er eine gemeinschaftliche Gerichtsverhandlung, zumeist an einem besonderen Ort.
Im Falle der Gangrel funktioniert das ähnlich: Die Sippe, oder der Teil der Sippe, der davon erfährt, trifft sich an einem vereinbarten Ort.
Bei uns ist das eine kleine Ortschaft in der Nähe von Regensburg und es werden ein paar mehr Gangrelspieler erwartet. Darunter auch Leute aus Hamburg und weiteren Spielorten Deutschlands.

Meine Aufgabe:
Statte die Ahnin aus.

Unsere "Alte" ist eine Figur, die erst seit Kurzem (ca. 2 Jahre) in dieser Form existiert. Sie hat in dieser Zeit eine Wandlung durchgemacht: Vom Flickenmantel (auch von mir), mit Mehl niedergeklebten Haaren, aufgemalter Fellzeichnung und einem Experiment als Klauenhandschuh (auch ich) wird sie nun weiter ausgestattet.
Dazugekommen sind Dinge wie ein Dachs-Fellkopfputz (der Bindestrich ist bewusst gesetzt, denn das Teil besteht nicht aus Dachs!), Hut, eine Tasche muss her (die ich noch nähen muss ;) ) und nun sollen es auch noch weitere Klauen sein.

So sahen die ersten Klauen bzw. so sah der erste Handschuh aus:



Das obendrauf ist ein 20c-Stück als Vergleichsgröße.
Zusammen mit dem "mystischen Halbdunkel"* wirkte der Handschuh eigentlich ganz gut. Erstellt über eine komplette Gussform (meine erste mehrteilige) waren sie echt was besonderes. Auch wenn die Gussform nach dem zweiten Versuch zerbrach und es damit bei einem Probeguss in Natur und einen dunklen blieb. Das Geheimnis, wie man den Grauschimmer vom Gips vermeidet, habe ich leider noch immer nicht gelüftet.

Unsere Darstellerin aber wollte nun noch eine zweite. Zunächst dachten wir an einen zweiten Abguss. Der Wunsch wandelte sich dann jedoch zu fellbesetzten Klauen, wodurch der Schluss dazukam, dass ein gebaute Klaue besser geeignet ist.

Also neble ich meine kleine Werkstatt in Pattex ein und hier ist ein Zwischenschritt:



Das 20c-Stück ist übrigens immer noch das Gleiche ;)

Die klauen sind nicht sehr viel mehr als in Form geschnitzte "Schaumstofftüten", in die der Handschuh eingeklebt ist, um die sichtbaren Finger zu verkürzen. Wie man das Innenleben aushöhlt, ohne sich dabei selbst zu Gulasch zu verarbeiten, zeige ich mal bei nächster Gelegenheit.

Später kommt noch Fell darauf, die Klauen werden gelatext werden und insbesondere vorher von den Pattex-Resten befreit.


* Das mystische Halbdunkel: Da man Vampire aus nachvollziehbaren Gründen häufig nachts spielt, kämpft man im Hinblick auf Schminken und dergleichen mit einem Lichteffekt, der viele Details verschluckt. Das kann bei Fehlern auch zu Gunsten des Darstellers ausgehen oder besonders übertrieben wirkende Schminken nötig machen. Auffällig werden diese Übertreibungen meistens erst, wenn harte Lichtwechsel stattfinden, z.B. von einem Kerzenlichthalbdunkel zu strahlendem Neonlicht. Der Effekt ist auch im Theater bekannt und baut hier mehr auf die Entfernung zum Publikum. So wirken z.B. die Finger beim Musical "Tanz der Vampire" z.T. enorm lang und dünn, da ein Schatten als Fingerzwischenraum geschminkt ist. Aus der Nähe wirkt es seltsam; aus der Ferne erkennt man diesen Schatten nicht mehr und interpretiert ihn als tatsächliche "Lücke".

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